Frühlingserwachen im Leudelsbachtal

 

Gäste des Nabu Remseck/Poppenweiler erlebten am Sonntag 3. April eine außergewöhnliche Führung durch verschiedene vom Menschen geprägte Landschaften im unteren Leudelsbachtal bei Markgröningen. Während des 4-stündigen Spaziergangs rund um die Steilhänge am Leudelsbach und an der Enz lenkten Klaus Rüdenauer und Gerhard Scheu den Blick auf Entstehung und Veränderung der Lebensräume.

 

Gerhard Scheu erklärte zu Beginn die geologische Entstehung des Kerbtales mit den relativ ebenen Wiesen auf der linken Bachseite und den extrem steilen Muschelkalkhängen an der rechten Seite des Baches. Die Wiesen in der Talaue wurden ursprünglich als Wässerwiesen extensiv genutzt, aber später im 20. Jhdt. wurde der Bachlauf begradigt und teilweise verbaut. Das hatte zusammen mit dem verstärkten Düngereintrag starke Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt. Feuchtwiesenpflanzen und Amphibien verloren ihren Lebensraum. Nur in einem Teilbereich hat man wieder einen künstlichen Seitenarm hergestellt, der Wasser in die Wiesen leitet, um der bedrohten Gelbbauchunke und anderen Amphibien noch ein Laichgewässer zu erhalten.

 

Die Steilhänge auf der rechten Uferseite wurden schon im Mittelalter mit Trockenmauern terrassiert und mit Weinreben kultiviert. In den 1860er Jahren wurde die Reblaus durch Rebstöcke von der Ostküste Amerikas nach Europa eingeführt. Das hatte katastrophale Missernten zur Folge. Deshalb wurden die terrassierten Hänge mit heimischen Obst- und Nussbäumen bepflanzt und statt Wein wurde Most gekeltert. Klaus Rüdenauer konnte anschaulich erklären, wie mühselig die Pflege und Ernte an den terrassierten Hängen ist, wo ein Einsatz von Maschinen nur sehr begrenzt möglich ist. Vor allem die Instandsetzung der Trockenmauern, die nur etwa 20 Jahre lang halten, ist Schwerarbeit, die ältere Gartenbesitzer nicht mehr leisten können. Viele Stücklesbesitzer müssen deshalb aufgeben und es beginnt eine natürliche Veränderung der ehemals kultivierten Landschaft. Die verschiedenen Stadien der Sukzession kann man im Leudelsbachtal beobachten: In den Grundstücken, die noch vor kurzer Zeit bewirtschaftet wurden, sieht man blühende Obstbäume und Sträucher, aber Brombeergestrüpp beginnt bereits die terrassierten Flächen zu überwuchern, Eschenschößlinge wachsen auf und in den Bäumen ranken Clematiszweige. In den schon vor längerer Zeit aufgelassenen Grundstücken sind die Mauern eingebrochen und kaum noch zu erkennen und die ehemals offenen Terrassen sind von hohen Eschen bewachsen. An einigen Hängen hat man die Terrassen wieder freigelegt und auch die Trockenmauern wieder errichtet, so dass dort die starke Veränderung der Hänge durch mehr oder weniger Einfluss des Menschen besonders deutlich nebeneinander zu sehen ist. An einer Stelle war eine neu errichtete Trockenmauer schon wieder eingestürzt. Klaus Rüdenauer konnte an diesem Beispiel erklären, wie wichtig das Wissen um die richtige Bautechnik der Mauern ist, die nicht zu steil sein dürfen und mit Geröllsteinen und Erde hinterfüttert werden müssen, da sie sonst dem starken Wasserdruck am Hang nicht lange Stand halten.

 

Während des Spaziergangs mit solch ernsten Überlegungen, konnte man sich immer wieder am Frühlingsgesang der Vögel erfreuen: Rotkehlchen, Zaunkönige und Meisen begleiteten uns und auch einige Heimkehrer aus dem Süden wie der Zilpzalp und die Mönchsgrasmücke konnten wir schon hören und sehen. Am Wegrand wuchsen Frühlingsblüher wie das Scharbockskraut, das wohlriechende Veilchen und Immergrün.

 

Vor der Mündung des Baches in die Enz führt der Weg noch am Naturschutzgebiet Hummelrain entlang. Während im Tal satt grüne gedüngte Fettwiesen eine artenarme Nutzwiese repräsentieren, ist der artenreiche Kalkmagerrasen zu dieser Jahreszeit noch braun. Hier wachsen aber sehr viele in unserer intensiv genutzten Landschaft selten gewordene Pflanzen. Die weißen Blüten des Berg-Hellerkrautes bildeten leuchtende Flächen, in denen Hummeln und Wildbienen Nektar fanden. Die ersten Schmetterlinge (Zitronenfalter, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs) waren hier schon unterwegs und man konnte bereits die Blätter der später blühenden Orchideen erkennen.

 

Während die Magerwiesen früher durch Schafbeweidung vor der Verbuschung bewahrt wurden, müssen sie heute durch eine einmalige Mahd im Herbst freigehalten werden.

 

Nach der Mündung des Leudelsbachs in die Enz verändert sich die Landschaft wieder komplett. Man läuft am Rande des Bannwaldes Rotenacker entlang. Unter Traubeneichen und Hainbuchen bilden Frühblüher hier einen bunten Blütenteppich mit rotem und weißem Lerchensporn, blauen Szilla und Veilchen und weißen und gelben Windröschen. Im Bannwald soll der Mensch nicht regulierend eingreifen. Deshalb sieht dieser Wald sehr unaufgeräumt aus, umgestürzte Bäume bleiben liegen, ebenso wie abgebrochene Äste. Dieses Totholz bietet einen reichen Lebensraum für viele Moose, Flechten, Pilze, Insekten und Spinnentiere. Abgestorbene Bäume sind regelrechte Wohntürme für Spechte aller Art, die wir auch an ihren Rufen und ihrem Trommeln identifizieren konnten. Da Spechte in jedem Jahr eine neue Nisthöhle bauen, werden die alten Wohnungen frei für Hohltaube, Kleiber, Meisen, Halsbandschnäpper, aber auch für Siebenschläfer und Haselmaus. Für Forstwissenschaftler ist der Bannwald außerdem ein Forschungsgebiet, in dem man beobachten kann, wie sich die Klimaveränderungen auf die Waldbäume auswirken.

 

Der Weg führte uns schließlich nach einem steilen Anstieg am oberen Rand des Rotenackerwaldes und oberhalb der Kalkmagerrasen und der terrassierten Hänge zurück. Vom oberen Weg hat man eine einmalige Sicht ins Enztal. Mit zufriedenen Gesichtern verabschiedeten sich die Teilnehmer der Führung von Klaus Rüdenauer und Gerhard Scheu. Sie hatten während eines entspannten Frühlingsspazierganges ein paar ökologische Lehrstunden genießen können.

 

Eine umfangreiche Tier- und Pflanzenliste hat Carolin Zimmermann in www.Naturgucker.de zu den genannten Gebieten eingetragen.

 

Bericht und Fotos: Barbara Rüdenauer

 

 

 

 

 

Exkursion zur Schwälblesklinge

Sonntag, 22. Juli 2018

9.30 Uhr U-Bahn-Haltestelle „Waldeck“ der U1

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